
Inhaltsverzeichnis
Die ICD („International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems“) ist ein international anerkanntes System zur einheitlichen Verschlüsselung medizinischer Diagnosen. Seit den 1990er-Jahren wird die aktuelle Version genutzt, die ICD-10. In der Schweiz kommt diese in der „German Modification” zum Einsatz, die für Diagnosen in Spitälern verpflichtend ist. Auch für die Kommunikation zwischen verschiedenen Institutionen sind die ICD-Codes essenziell. Mehr zum Aufbau der Codes, den Versionen 10 und 11 sowie relevante andere Klassifikationen gibt es in diesem Artikel.
Alles Wichtige auf einen Blick
- Die ICD ist das am meisten genutzte System zur Klassifizierung von Krankheiten.
- Arbeitet mit Codes aus Buchstaben und Ziffern, die jeweils für eine bestimmte Krankheit stehen.
- Aktuell noch genutzte Version: ICD-10
- Modernisierte Version ab 2027: ICD 11
Inhaltsverzeichnis
Was ist die ICD?
Die ICD ist ein weltweit anerkanntes System, dass die einheitliche Benennung medizinischer Diagnosen ermöglicht und die Erfassung von Krankheiten und Gesundheitsproblemen standardisiert.
Eine Besonderheit ist ihre detaillierte Struktur, die spezifische Diagnosen durch Buchstaben und Ziffern verschlüsselt. Zusätzlich gibt es Zusatzkennzeichen, die weitere Informationen liefern. Vor allem für die Dokumentation und Abrechnung medizinischer Leistungen sind die ICD-Codes daher essenziell. Auch in der Gesundheitsforschung und -statistik spielen diese eine zentrale Rolle.
Ursprünge der Internationalen Klassifikation der Krankheiten
Das Bedürfnis, die Todesursachen von Patienten zu klassifizieren und damit auch besser zu verstehen, hatten Mediziner und Statistiker schon früh. Erste Ansätze der heutigen Klassifikation gab es bereits in den 1850er Jahren - in Ursprüngen sogar bereits früher. Im Jahr 1893 stellte Jacques Bertillon dann eine vom Internationalen Statistischen Institut beauftrage Klassifikation vor, die als „International List of Causes of Death“ (ILCD) allgemeine Anerkennung erhielt. Seit Erstellung der ICD-6 und Gründung der WHO 1948, liegt die Zuständigkeit bei dieser. Bei der ICD-6 wurden dabei zum ersten Mal neben Todesursachen auch Krankheiten und Verletzungen in das Verzeichnis aufgenommen.
ICD-10
Seit den 1990er-Jahren ist die ICD-10, die zehnte Version der Internationalen Klassifikation der Krankheiten, im Einsatz. Krankheiten und Gesundheitsprobleme werden hier in Hauptkategorien eingeteilt, die mit einem Buchstaben beginnen, gefolgt von bis zu fünf Ziffern. Zusatzangaben, etwa zur Körperseite oder zum Diagnosezustand, erlauben eine detaillierte Beschreibung. So können selbst spezifische Subtypen in der Dokumentation festgehalten werden.
Die in der Schweiz genutzte „German Modification“ (kurz GM) wird vom Deutschen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) herausgegeben und basiert auf der WHO-Version. Jährlich wird sie auf Grundlage neu gewonnener Informationen der anwendenden Länder aktualisiert. Insbesondere bei der Dokumentation medizinischer Diagnosen und der Abrechnung dient sie als wichtige Grundlage.
Aufbau und Struktur
Die Struktur des ICD-Codes ist klar und nachvollziehbar. Die Codes beginnen immer mit einem Buchstaben, der die Diagnosegruppe angibt (beispielsweise steht „K“ für Erkrankungen des Verdauungssystems, „J“ für Krankheiten des Atemsystems). Darauf folgen mindestens zwei Ziffern, die die Diagnose weiter spezifizieren, etwa „J45“ für Asthma bronchiale. Ein Punkt trennt gegebenenfalls zusätzliche Ziffern, die eine genauere Beschreibung liefern können. Vorwiegend allergisches Asthma bronchiale wird so zum Beispiel mit „J45.0“ codiert.
Eine Übersicht der verschiedenen Bereiche und Codierungsabschnitte gibt die nachfolgende Tabelle:
Kapitel Gliederung Bezeichnung I A00-B99 Bestimmte infektiöse und parasitäre Krankheiten II C00-D48 Neubildungen III D50-D90 Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe sowie bestimmte Störungen mit Beteiligung des Immunsystems IV E00-E90 Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten V F00-F99 Psychische und Verhaltensstörungen VI G00-G99 Krankheiten des Nervensystems VII H00-H59 Krankheiten des Auges und der Augenanhangsgebilde VIII H60-H95 Krankheiten des Ohres und des Warzenfortsatzes IX I00-I99 Krankheiten des Kreislaufsystems X J00-J99 Krankheiten des Atmungssystems XI K00-K93 Krankheiten des Verdauungssystems XII L00-L99 Krankheiten der Haut und der Unterhaut XIII M00-M99 Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes XIV N00-N99 Krankheiten des Urogenitalsystems XV O00-O99 Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett XVI P00-P96 Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben XVII Q00-Q99 Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien XVIII R00-R99 Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind XIX Soo-T98 Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen XX Vo1-Y84 Äußere Ursachen von Morbidität und Mortalität XXI Z00-Z99 Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen XXII U00-U99 Schlüsselnummern für besondere Zwecke
Das systematische Verzeichnis stellt die eigentliche Struktur der ICD-Codes dar. Es ist hierarchisch geordnet und enthält eine Anleitung zur Anwendung. Ergänzende Informationen, etwa zur Morphologie, also dem Aussehen von Neubildungen, oder Tests zur Feststellung von Funktionseinschränkungen, sind im Anhang des ICD-Codes zu finden. Zusätzlich gibt es ein alphabetisches Verzeichnis, welches dabei hilft, passende Codes schnell zu finden.
Detaillierte Informationen können zudem auch mithilfe von Zusatzkennzeichen angegeben werden, die nicht Teil des offiziellen ICD-Diagnoseschlüssels sind. Diese können unter anderem sein:
- „R“ (rechts)
- „L“ (links)
- „B“ (beidseitig)
- „A“ (ausgeschlossene Diagnose)
- „V“ (Verdachtsdiagnose)
- „Z“ (Zustand nach entsprechender Diagnose)
- „G“ (gesicherte Diagnose)
Neuerung – die ICD-11
Mit der Einführung der ICD-11 im Jahr 2022 hat die WHO das Kategorisierungssystem modernisiert. Ziel war es vor allem, die digitale Nutzung zu vereinfachen und inhaltlich an die heutige Welt anzupassen. Es wurden einige Änderungen vorgenommen, etwa im Bereich der Schlaf-Wach-Störungen und sexuellen Gesundheit, um beispielsweise Stigmatisierung entgegenzuwirken.
Der neue Code hat ebenfalls eine logische Struktur und ermöglicht die Kombination mehrerer Codes. Auch wurden neue Kapitel hinzugefügt, um Krankheiten präziser zuzuordnen. Im Vergleich zur ICD-10 sind die Codes ausserdem länger, mit mindestens vier und maximal sechs Zeichen. Sie verzichten auf Zusatzkennzeichen wie „R“ oder „G“. Stattdessen werden Erweiterungen mit einem „X“ hinzugefügt. Beispielsweise wird allergisches Asthma, das vorher als „J45.0“ codiert war, im ICD-11 als „CA23.0“ angegeben.
Darüber hinaus verfügt die ICD-11 über ein digitales Coding-Tool und ist einfacher in Softwaresysteme zu integrieren. Diese Änderungen ermöglichen eine zeitgemässe Beschreibung und unterstützen die Digitalisierung im Gesundheitswesen.
ICD in der Schweiz
In der Schweiz wird aktuell die „German Modification“ der ICD-10 genutzt. Bis zur vollständigen Einführung der ICD-11 bleibt dabei die ICD-10 in Gebrauch, wobei eine Übergangsfrist bis 2027 vorgesehen ist. Am 1. Januar 2025 ist die aktuelle Version in Kraft getreten. Das Deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte arbeitet zudem gemeinsam mit dem Schweizer Bundesamt für Statistik an einer deutschen Übersetzung der ICD-11.
Die Kodierung ist für Diagnosen bei stationären Spitalaufenthalten obligatorisch und bildet die Grundlage für das Fallpauschalensystem SwissDRG sowie andere Tarifsysteme wie TARPSY und ST Reha. Besondere Kodierregeln werden hierbei im medizinischen Kodierungshandbuch des Bundesamtes für Statistik definiert.
ICD-Codes
Einige Codes werden im klinischen Alltag wiederkehrend genutzt. Für Fachpersonal im medizinischen Bereich ist es daher sehr praktisch, diese zu kennen. Die nachfolgende Tabelle gibt einige Beispiele.
Code | Diagnose | Bereich |
J45.0 | Allergisches Asthma | Krankheiten des Atmungssystems |
E11.9 | Diabetes mellitus Typ 2 ohne Komplikationen | Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten |
I10 | Essenzielle Hypertonie | Krankheiten des Kreislaufsystems |
M54.5 | Kreuzschmerzen | Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes |
M17.0 | Beidseitige Kniegelenksarthrose | Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes |
F32.1 | Mittelgradige depressive Episode | Psychische und Verhaltensstörungen |
F41.1 | Generalisierte Angststörung | Psychische und Verhaltensstörungen |
J06.9 | Akute Infektion der oberen Atemwege (nicht näher bezeichnet) | Krankheiten der Atmungsorgane (0 = in der Pädiatrie) |
N39.0 | Harnwegsinfektionen | Krankheiten des Urogenitalsystems |
K52.9 | Nicht näher bezeichnete Gastroenteritis | Krankheiten des Verdauungssystems |
ICD – Weitere Klassifikationen
Neben der ICD-10-GM gibt es in der Schweiz weitere Klassifikationssysteme. Häufig genutzt wird die Schweizerische Operationsklassifikation (CHOP). Während die ICD-10-GM primär für Diagnosen verwendet wird, deckt die CHOP therapeutische und diagnostische Prozeduren ab. Sie wird jährlich überarbeitet und basiert ursprünglich auf der US-amerikanischen ICD-9-CM. Seit 2008 entwickelt sich die CHOP jedoch unabhängig hiervon.
Wie auch die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten ist die CHOP alphanumerisch strukturiert. Sie hat dementsprechend sowohl ein alphabetisches als auch ein numerisches Verzeichnis, wobei die meisten Codes aus historischen Gründen mit einer Ziffer beginnen. Vor allem im Klinikalltag spielt die CHOP eine grosse Rolle, da sie für stationäre Behandlungsfälle verpflichtend ist.
Weitere Klassifikationen wie SwissDRG für akutsomatische Leistungen, TARPSY für psychiatrische Behandlungen und ST Reha für die Rehabilitation gewährleisten eine einheitliche Erhebung und Nutzung von Gesundheitsdaten für Abrechnungen, Qualitätskontrollen und epidemiologische Zwecke.
Alle Kodierungen müssen sich an spezifische Richtlinien des Bundesamts für Statistik halten. Dadurch wird sichergestellt, dass die Gesundheitsversorgung in der Schweiz standardisiert und effizient ist.
Passende Jobs im Gesundheitswesen
Wer aktuell auf der Suche nach einem Job im Gesundheitswesen ist, wird bei Medi-Karriere fündig. Hier gibt es zahlreiche Jobs als Psychologe, freie Stellen als Arzt sowie viele Pflege-Jobs.
- ICD, https://www.bfarm.de/... (Abrufdatum: 07.03.2025)
- Schweizerische Operationsklassifikation (CHOP), Systematisches Verzeichnis – Version 2025, https://dam-api.bfs.admin.ch/... (Abrufdatum: 07.03.2025)
- ICD-10-GM Version 2025, https://klassifikationen.bfarm.de/... (Abrufdatum: 07.03.2025)
- Was sind ICD- und OPS-Codes, https://gesund.bund.de/... (Abrufdatum: 07.03.2025)
- Diagnoseschlüssel: Welche Krankheit hinter dem ICD-10-Code auf Ihrer Krankmeldung steckt, https://www.barmer.de/... (Abrufdatum: 07.03.2025)
- ICD-11 in Deutsch – Entwurfsfassung, https://www.bfarm.de/... (Abrufdatum: 07.03.2025)
- Ziele der 11. Revision, https://www.bfarm.de/... (Abrufdatum: 07.03.2025)
- Instrumente zur medizinischen Kodierung, https://www.bfs.admin.ch/... (Abrufdatum: 07.03.2025)
- Weiterentwicklung der ICD-10 der WHO, https://www.bfarm.de/... (Abrufdatum: 07.03.2025)
- Jakob, R. ICD-11 – Anpassung der ICD an das 21. Jahrhundert. Bundesgesundheitsbl 61, 771–777 (2018). https://doi.org/10.1007/s00103-018-2755-6, https://link.springer.com/... (Abrufdatum: 07.03.2025)
- ILCD bis ICD-10, https://www.bfarm.de/... (Abrufdatum: 07.03.2025)